Auf einen Klick: Saudisches Geld // Kein Speedrun für SNK // Zocken für den guten Zweck // Gier und Zynismus? // Eine gute Nachricht
Wer sich wäscht, will Schmutz loswerden. Das ist beim „Sportswashing“ ähnlich. Der Begriff ist ein Kofferwort aus „Sports“ und „Whitewashing“. Er meint Praktiken, mit denen Staaten, große Organisationen oder vermögende Individuen versuchen, mittels Sportförderung von unethischem Verhalten abzulenken. Das schließt schwere Verbrechen mit ein, mitunter gegen das Völker- und Menschenrecht.
Sportswashing dient dem Reputations- und Einflussgewinn und wird als Teil von Soft-Power-Strategien gesehen. Der Begriff ist verwandt und überschneidet sich mit dem des „Culturewashing“, bei der die Imagepolitur über Kunst- und Kulturförderung läuft.
Als Beispiele für Sportswashing gelten etwa die Olympischen Winterspiele in Russland 2014, die Männer-Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar oder das Mixed-Martial-Arts-Event „UFC Freedom 250“ auf dem Gelände des Weißen Hauses 2026.
Saudisches Geld
Zunehmend ist auch die Welt des Gaming und der E-Sports-Bereich betroffen, das kompetitive Spielen von Videospielen. Sehr aktiv ist hier das autokratisch regierte Saudi-Arabien mit seinem Public Investment Fund (PIF). Zum Beispiel gehört seit 2022 der in Köln ansässige E-Sports-Veranstalter ESL Gaming zur Savvy Games Group, die Teil des PIF ist. 2025 wurde bekannt, dass der Zusatzinhalt Valley of Memory für das Action-Adventure Assassin’s Creed Mirage (2023) mit saudischem Geld finanziert wurde.
Die Assassin’s-Creed-Reihe gehört zu den weltweit beliebtesten Videospiel-Franchises. Der Teil Mirage spielt eigentlich im historischen Baghdad, die Handlung des Zusatzinhalts aber in al-Ula, was heute zu Saudi-Arabien gehört. Und seit Anfang 2026 ist eine der weltgrößten E-Sport-Turnierreihen, die „Evolution Championship Series“ (EVO) im Besitz der saudischen Qiddiya Investment Company. All das sorgte für reichlich Kritik.
Kein Speedrun für SNK
Ein weiterer Fall von E-Sports- und Culturewashing der Marke Saudi-Arabien war, wenn auch eine Nummer kleiner, vorletzten Sonntag in den USA zu beobachten. Ein Speedrun-Stream wurde vom Betreiber Games Done Quick (GDQ) abgebrochen, nachdem Fans scharfe Kritik am Sponsoring durch das Videospiel-Unternehmen SNK geäußert hatten.
Dessen größter Anteilseigner ist seit einigen Jahren die MiSK Foundation, eine zum PIF gehörende Stiftung des Kronprinzen und De-facto-Regenten Mohammed bin Salman. Seiner Regierung werden Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Die Stiftung wird als Versuch gesehen, sich davon reinzuwaschen und Imagepflege zu betreiben, durch Kultur- und Medienförderung, auch im Bereich Gaming.
SNK ist Nutznießer davon. Der traditionsreiche japanische Videospiel-Entwickler und -Verlag ist bekannt für Spielreihen im Fighting-Game-Genre, wie The King of Fighters oder Fatal Fury. Beim Vorfall in den USA ging es allerdings um kein Fighting Game (sie eignen sich kaum für Speedruns), sondern um Metal Slug, ein Run-and-Gun-Ballerspiel im Comic-Look. Es erschien erstmalig vor 30 Jahren; der von SNK gesponsorte Speedrun sollte dieses Jubiläum feiern.
Zocken für den guten Zweck
Bei Speedruns werden Videospiele möglichst schnell durchgespielt, teils unter Ausnutzung von „Glitches“ (Programmierfehlern oder -lücken, die es Figuren zum Beispiel ermöglichen, durch Wände zu gehen). Solche Runs haben eine große Fangemeinde.
Games Done Quick ist bekannt für die öffentliche Austragung von Speedruns und veranstaltet regelmäßig „charity marathons“, bei denen Geld für wohltätige Zwecke gesammelt wird. Laut eigener Aussage sind seit 2010 Spenden in Höhe von über 62 Millionen US-Dollar eingegangen. Zuletzt seien über 2 Millionen US-Dollar für die Organisation Ärzte ohne Grenzen gesammelt worden.
Gerade vor diesem Hintergrund wirkt es mehr als unglücklich, dass Games Done Quick mit SNK und damit indirekt einem autokratischen Regime zusammenarbeiten wollte, das auch von Ärzte ohne Grenzen kritisiert wird. Aber nicht nur das: Games Done Quick gilt mittlerweile als Safer Space für die LGBTQIA+-Community, für Menschen also, die in Saudi-Arabien besonders hart verfolgt werden. „The guys who own SNK want like 98% of your viewer base killed“, schreibt jemand auf der Plattform Bluesky, wo sich ein Hauptteil der Kritik Bahn bricht.
Gier und Zynismus?
Zugutehalten kann man Games Done Quick allerdings, dass die Organisator*innen schnell auf die Kritik reagiert, den Stream abgebrochen und eine Entschuldigung veröffentlicht haben. „GDQ is committed to supporting human rights and inclusivity, and we recognize that this partnership conflicted with those values“, heißt es darin. Sie versichern, Kooperationen zukünftig besser prüfen zu wollen.
Auf Bluesky kommt das gut an und glättet die Wogen. Viele Nutzer*innen zeigen Verständnis, Fehler passierten halt. Manche fragen sich aber auch, wie es zu diesem Fehler überhaupt kommen konnte. Dass SNK mit saudi-arabischem, wie ein*e Nutzer*in schreibt, „blood money“ betrieben wird, ist schließlich schon länger so. Man könnte meinen, den Branchenkenner*innen bei Games Done Quick hätte das bekannt sein müssen.
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War es womöglich auch – die Aussicht auf Sponsoren-Geld aber könnte ethische Bedenken ausgestochen haben. „Saudi Arabia’s strategy is working because of greed and cynicism“, schrieb das Gaming-Magazin Aftermath im Oktober 2025. SNK hat sich zum Fall bisher nicht geäußert.
Eine gute Nachricht
Er zeigt einmal mehr, ein hartnäckiges Vorurteil widerlegend: Die politischen und wirtschaftlichen Realitäten der Gaming-Industrie sind Videospieler*innen nicht egal. Zumindest scheint die Gruppe derer, denen es nicht egal ist, immer größer zu werden. Ihre Konsumentscheidungen machen Spieler*innen zunehmend davon abhängig, wie sie Spielehersteller ethisch bewerten.
Dass Games Done Quick mit SNK und seinen saudischen Geldgebern zunächst zusammenarbeiten wollte und den Speedrun-Stream gestartet hat, ist keine gute Nachricht. Dass es dann jedoch zum Abbruch kam, weil es Kritik hagelte, schon. ◆
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