Nimm Zwei: Mononormativität in Liebeserzählungen

Rosa Neonschrift eines nächtlichen Schriftzugs mit dem Wort "Love" (Foto: Shaira Dela Peña auf Unsplash)
Foto: Shaira Dela Peña auf Unsplash
In der Serie „Modern Love“ findet Polyamorie bisher nicht statt. Wirklich modern ist das nicht – aber sehr beispielhaft für das narrative Grundrauschen der Monogamie. Ein Text für 54books.

Ein Text von:

Wir leben in einer Zeit, in der alte Normen zunehmend in die Enge getrieben werden. Man denke an die Vorherrschaft weißer Menschen, an das Primat der Wirtschaft gegenüber dem Klimaschutz, an Cis- und Heteronormativität, an das generische Maskulinum und an eigentlich alles, was irgendwie mit männlicher Privilegierung und patriarchaler Macht zu tun hat. Tradierte Überzeugungen werden zurückgedrängt und ihre Anhänger*innen schlagen dabei um sich.  

Ein weiteres traditionelles und für bestimmte gesellschaftliche Machtverhältnisse auch konstitutives Normengebilde, um das es meist erstaunlich still ist, ist die Mononormativität. Mononormativität meint das Erzählen und Bewerten zwischenmenschlicher Beziehungen unter den Vorzeichen der Monogamie. Polyamore Beziehungen etwa, in denen Menschen mehr als eine*n Partner*in haben, werden oft unsichtbar gemacht, teils immer noch pathologisiert und mitunter sozial sanktioniert.

Alles mit einem für immer

„Nicht-monogame Begehrensformen gelten weithin als Krisensymptome“, schrieb vor über zehn Jahren die Soziologin Gesa Mayer. Von der „Norm trauter Zweisamkeit“ könne oder wolle der mehrheitsgesellschaftliche Diskurs nur wenig abrücken, stellt Mayer auch heute noch fest. Die Autorin Katja Lewina spricht in ihrem Buch Sie hat Bock von dem Konzept „Alles mit einem für immer“ und macht deutlich, dass Mononormativität insbesondere für das Beziehungs- und Sexleben weiblich lesbarer Menschen der normierte Maßstab ist.

Monoamore Verhältnisse gelten traditionell, auch, wenn es in der gelebten Praxis oft anders ist, als Hafen beruhigender Stabilität, Verbindlichkeit und Treue, polyamore Verhältnisse hingegen weniger. Konsensuell polyamor oder polygam lebende Menschen sehen das für gewöhnlich nicht so. Nur werden ihre Geschichten nach wie vor viel zu wenig (positiv) erzählt, schaffen es ihre Lebensrealitäten viel zu selten und in komplexen Erzählungen in Kulturprodukte des Mainstreams.

Dies ist ein Appetitmacher, auf 54books gibt es den vollständigen Text. Am Beispiel der Serie Modern Love schreibe ich darüber, wie mononormativ auch heute noch viele fiktionale Werke geprägt sind, die sich mit den Themen Liebe, Sexualität und Freund*innenschaft beschäftigen.

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